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Heringe angeln

Stand April 2017

Alle Jahre wieder in Frühjahr kommt ein leckerer Vertreter der Meeresfische in die Häfen an Ost- und Nordsee, um für seinen Nachwuchs zu sorgen: der Hering!

Ist dieser dann angekommen, dann warten,- außer Möwen und Kormoranen aus der Luft und Dorschen und Meerforellen im Wasser-, auch noch viele zweibeinige Fischliebhaber auf den Silberling. Während es die einen mit Schnäbeln, Krallen oder großen Mäulern versuchen, ihn zu bekommen, machen es die anderen mit Rute, Rolle, Schnur und Haken (machmal auch mit großem Maul...).

In Deutschland ist das Mekka der Heringsangler wohl die Stadt Kappeln in Schleswig-Holstein, wo sich jedes Jahr tausende Petrijünger einfinden um vom Ufer oder vom Boot aus ihre Eimer und Kühltaschen zu füllen. Auch in Kiel, Lübeck, Rostock und Stralsund wird dem Hering nachgestellt. An der Nordseeküste sind es vor allem Cuxhaven, Meldorf und Büsum. Vorteil Cuxhaven: zur Zeit reicht hier noch als Lizenz der Personalausweis. Nachteil an den Nordseespots: weniger Fische als an der Ostsee.

Dafür sind sowohl in Schleswig-Holstein als auch in Mecklenburg-Vorpommern sowohl eine Fischereiabgabe als auch ein für das jeweilige Gewässer gültiger Erlaubnisschein zu lösen!

Der Anfang ist gemacht und der Eimer beginnt sich zu füllen

Links:   Und der nächste Hering ist “verhaftet” ...

Heringe sind Schwarmfische und ziehen in so riesigen Schwärmen in die Häfen und Förden, das ein Echolot fast nicht mehr zum Grund durchdringt. Um diese zu fangen,müssen die Fische aber in Laichstimmung sein. Dann schnappen sie im “Liebesrausch” nach allem, was sich im Wasser bewegt. Sind die Fische in diesem Zustand, dann sind Massenfänge von über 100 Fischen und mehr möglich.

Dann rappelt es eins um’s andere Mal an der Rute und so manches Mal kommt ein “Full House” an die Oberfläche. Aber oft genug nicht aus dem Wasser! Davon später mehr.

An anderen Tagen und das hauptsächlich, wenn das Wasser aus den Häfen und Förden herausläuft, kann man werfen und werfen ohne auch nur einen Fisch an den Haken zu bekommen. Entweder ist der Hering dann nicht da oder er hat schlicht keinen Hunger. Hat man eine geflochtene Schnur und dazu eine Rute mit Aktion im oberen Drittel, kann man aber beim Einholen fühlen, ob Fische da sind: es gibt an der gestrafften, sinkenden Schnur leichte einzelne ”Schläge”, die man spüren kann. Die absinkende Schnur “schneidet” durch den Heringsschwarm und berührt dabei wohl einzelne Fische, die dann flüchten. Diesen Schwanzschlag bemerkt man als solchen in der Rute. Das scheint aber wirklich nur bei der geflochtenen Schnur zu funktionieren.

Nun wollen wir uns einmal die Art und Weise ansehen, mit der wir den Hering ins Boot bzw. in den Eimer bekommen. Wir benötigen dazu eine Angelrute von etwa 3 - 4m Länge vom Ufer aus oder 2-3m Läge vom Boot aus. Eine möglichst salzwasserfeste Stationärrolle um die 3000er- Serie herum gehört dazu, die mit monofiler 0,25 - 0,30er Schnur bestückt ist und das wichtigste: ein Heringspaternoster und ein Heringsblei!

Spezialisten verwenden anstelle der monofilen Schnur auch gerne eine geflochtene Schnur. Dabei sollte die Rute aber diese vertragen und auch elastisch genug sein, da diese Schnur keine Dehnung hat und ansonsten der gehakte Hering schnell ausschlitzt. Ich selbst angele auch mit geflochtener Schnur, da man mit dieser u. a. auch viel weiter auswerfen kann. Das Paternoster besteht in der Regel aus 5 Haken, die als blanke Goldhaken oder meist als Fliege zum Einsatz kommen. Eine Ausnahme bildet hier die Stadt Lübeck: hier sind nur 2 Haken als Heringspaternoster erlaubt.

Zumeist kommen handelsübliche Heringsbleie zum Eisatz: Sie haben eine dreieckige Form und sind rot-weiß lackiert. Es gibt sie in Gewichten von 30g bis zu 120g.

Wir werden einmal Bratheringe ...

Der Fisch ist da, der Kai steht voller Angler und Schuppen an der Kante geben Zeugnis vom Fang.

Nun geht es an die Technik, um effektiv an den Fisch heran zu kommen:

Ist nicht klar, wie weit der Hering vom Ufer entfernt ist, sollte man erstmal mit maximaler Energie soweit wie möglich rauswerfen und die Schnur danach sofort stramm nehmen. Die straffe Schnur verhindert, das das Heringsblei samt Paternoster wie ein Geschoss durch die eventuellen Schwarm hindurch zum Grund zischt. So pendelt das flache Blei wie ein Laubblatt nach unten und die Springer am Paternoster tänzeln appetitlich hin und her. Die Bisse der Heringe sind sofort zu bemerken am Zittern die Rutenspitze. Jetzt aber nicht sofort einholen, sondern laaaangsam ankurbeln, damit sich noch weitere Fische an die freien Haken verirren, was man am immer mehr werdenden Druck auf die Rute spürt. Erst dann das Tempo erhöhen. Erfahrene Heringsangler können die Bisse sogar mitzählen und bringen mehr “Full House” in den Eimer. Wichtig ist beim Einholen konstanter Druck und gleichmäßiges Tempo, um dann am Ufer mit eben diesem gleichen Tempo die Fische aus dem Wasser zu schlenzen. Jede Tempoänderung kann Verluste bringen; die Fische hebeln sich aus!

Sollte es zu keinen Bissen gekommen sein, diese Technik trotzdem noch 2-3 mal anwenden. Erst dann die Wurfentfernung verändern. Natürlich ist es auch sehr vorteilhaft, seine Nachbarn zu beobachten: wie weit haben die geworfen und wann haben die Bisse gehabt? Experimentieren kann die Lösung sein.

Welches Paternoster nehme ich denn nun ?

Klar ist: je mehr Haken dran sind, desto mehr Fisch kann anbeißen. Aber: es gibt, wie überall, Begrenzungen! Im Bereich der Ostsee sind in der Regel Paternoster mit 5 Haken erlaubt. In Lübeck jedoch sind nur 2 Haken erlaubt. Aber in den örtlichen Fachgeschäften bekommt man diese auch fertig zu kaufen und muss nicht ein 5er Paternoster dafür teilen. Im Kommen sind zur Zeit Paternoster mit Circle-Hooks, weil sich die Fische daran nicht so schnell befreien können.

Die Hakengröße richtet danach, wie groß die Heringe sind: Größe 10 - 14 sind eigentlich im Sortiment obligatorisch, wenn in deutschen Häfen geangelt wird. Auch die Farbgebung der Hakenbindung (die sollte immer “Fischhaut” enthalten), mit oder ohne Perle, mit oder ohne Fransen richtet sich danach, was der Fisch gerade bevorzugt. Das läßt sich aber nie vorhersagen.

Auge in Auge mit dem “Raubtier”

Und was ist mit dem Blei?

Generell ist das traditionelle Dreieckblei das Mittel der Wahl. Seine Form sorgt dafür, das es pendelnd absinkt und die Heringsfliegen in Bewegung hält. Das Gewicht sollte der zu erreichenden Weite angepasst sein; doch gibt es auch hier an einigen Orten aus Sicherheitsgründen Beschränkungen im Gewicht. Sollte das der Fall sein, dann ist das im Erlaubnisschein ausgewiesen.  Aber auch ein (hakenloser) flacher kleiner Pilker in Heringsform ist gute Wahl, vor allem wenn Futterneid vorhanden sein sollte. Manchmal gibt es auch etwas skurrile “Bleie”. In Kappeln waren vor einigen Jahren Tischmesser aus Chromstahl der Renner. Andere schwören auf Verbinder aus dem Baumarkt oder schlicht einem Stück Blech oder Kupfer in passendem Gewicht oder dem banalen Tropfenblei.

Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Was sollte ich noch beachten?

Weitere Ausrüstung: ein Schlagholz zum töten der Fische ist Pflicht und eine Lösezange sollte auch dabei sein. Auch eine Kühlbox mit tiefkalten Kühlakkus, ausgekleidet mit einer Plastiktragetüte gehört dazu. Man möchte doch den Fisch späterhin auch essen ohne sich den Magen zu verrenken! Das Schuppen der Fische ist eine leichtere Sache wenn man die Fische in einem alten Drahtsetzkescher im Wasser ausschüttelt. Dann gerät das Versorgen der Fische zu Hause nicht zur “Konfettiparade”. Auch eine Mülltüte, die man in einem Abfalleimer späterhin entsorgen kann, gehört dazu. Aber: bitte keine Fischabfälle in den öffentlichen Müllkörben entsorgen. Die Stadt Lübeck stellte in 2017 während der Heringssaison eigens Mülltonnen dafür auf.

Sicherheit und Sauberkeit: Bitte beachten, das man als Heringsangler mit scharfen Haken und geschossartigen Bleien um sich wirft! Dabei gehen zeitgleich Besucher und Zuschauer hinter uns herum, die wir tunlichst unversehrt lassen sollten. Das kann ebenso teuer werden, wie ein “Treffer” auf einem Wasserfahrzeug; von den strafrechtlichen Konsequenzen gar nicht zu reden. Auch sollte das Blei an Land bleiben wenn Wasserfahrzeuge in Wurfdistanz vorbei fahren: der Sog der Schiffe kann die im Wasser liegende Schnur aufnehmen und diese sich um den Schiffspropeller legen und diesen blockieren. Für Kosten kommt der Angler dann auf, wenn er erwischt wird.

Ein leidiges Thema ist die Sauberkeit am Angelplatz. Was ist daran so schwer, den Abfall den man verursacht hat aufzusammeln und ordnungsgemäß zu entsorgen? Liebe Heringsangler, verlasst auch Ihr Euren Angelplatz so, wie Ihr ihn vorfinden möchtet!

Und nun: Petri Heil und fette Beute!