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Das Boot

Stand April 2017

So hat es angefangen ...

Vor gut 5 Jahren entschlossen wir uns, unser kleines Schlauchboot zu verkaufen und ein größeres Boot anzuschaffen, das aber keinesfalls neu sein sollte. Grund war, das wir auch nicht jünger werden und das Auf- und Abbauen dieses Holzbodenbootes immer mehr zur Anstrengung wurde. Zudem wurde die Sitzposition darin immer beschwerlicher.

So begann ich in der Bucht zu suchen und nach einiger Zeit wurden wir fündig: ein altes, aber sehr stabiles Boot mit Trailer aus dem Doberaner Raum wollten wir besichtigen und ggfs. gleich mitnehmen. Vor Ort zeigte sich, das da doch einiges an Arbeit zu investieren ist und das GFK auch sehr ausgeblichen war. Aber es gab keinerlei Schaden an Rumpf und Kajüte, was schließlich den Ausschlag gab, zu kaufen.

Der Trailer allerdings war in desolatem Zustand und das war das erste auszutauschende Teil! Nicht nur, das der aussah, als wäre er aus zwei alten Teilen zusammengebraten. Auch war der schon mit dem leeren Boot überladen!

Zunächst aber wurde das Boot gründlich abgeschliffen und mit 2-Komponentenlack neu gestrichen. Die Trittleisten wurden mit einem speziellen Lack weiß lackiert: dieser trocknet mit Warzen auf und sorgt für eine rutschfeste Oberfläche. Eine Kajütwand, die vom Voreigner eingebaut aber nicht sauber lackiert worden war habe ich mit klarem Bootlack mehrfach überlackiert. Auch die so genannte “Elektrik” war das pure Chaos und so habe ich auch diese erneuert. Nicht zuletzt wurden die Holzabdeckungen an den Kajütseiten und die darauf montierten, schon sehr alten Positionslampen neu lackiert.

Mit der Re-installation des Lichtmastes, der aufpolierten Windschutzscheibe, dem neu lackierten Holzspiegel und dem Einbau einer kleinen LED-Deckenleuchte war das Boot mit auf den Namenszug dann fertig.

Erst dann sind wir losgefahren und haben einen neuen Trailer besorgt, der auch mit dem Boot und montiertem Motor noch Lastreserven aufweist. Ursprünglich wollte ich den 15-PS-Johnson vom Schlauchboot einsetzen, was aber an der Tatsache scheiterte, das der ein Kurzschafter, der Bootspiegel aber für Langschaftmotoren ausgelegt ist! Hier habe ich einen älteren 20-PS-Mercury mit E-Start und Fernschaltung erstehen können. Das uns der Motor noch in Schwierigkeiten bringen sollte, konnten wir aber seinerzeit nicht ahnen.

Rechts: Man sieht den Wellen nicht ihre Höhe (ca. 1m) nicht an.

Unser späterer ERIK im Urzustand auf dem alten Trailer

Man erkennt ihn nicht wieder ...

Diese Probleme traten auf der zweiten Fahrt auf der Elbe auf: gestartet waren wir in Artlenburg und sind stromauf gefahren. In Drage beabsichtigte ich dann zu tanken. Alles sah gut aus, bis ich durch einen Mega-Schubverband gezwungen war, aufzustoppen und den passieren zu lassen. Damit hatte ich zuviel Sprit verbraucht und der Motor ging ur 100 m vor der Hafenzufahrt von Drage aus.

Also musste ich im Fahrwasser treibend, Benzin nachfüllen. Das ging ohne große Kleckerei und der Motor sprang dann auch nach dreimaligen Starten wieder an. Aber er qualmte wie ein Kohlendampfer und  bekam einfach nicht die Drehzahl, die ich sonst kannte. Dazu wollte die Schaltung auch nicht so recht! Ich bekam den Rückwärtsgang erst nach mehreren Versuchen rein und auch raus!

Dazu hatte der Wind gemein aufgefrischt und auf dem Fluß bildeten sich kurze und hohe Wellen. Und es waren noch über 30km nach Artlenburg. Es blieb nichts anderes übrig, als mit ordentlich Fahrt, die mit dem räuchernden Motor nicht so recht gelingen wollte, diese Wellen abzureiten. Hier hat sich gottlob gezeigt, das unser Boot mit solchem Seegang doch sehr gut umgehen konnte: es durchschnitt die Wellen regelrecht und die Fahrt war weit weniger ruppig als der Seegang ahnen ließ. Allerdings soff die Maschine den Sprit so schnell aus dem Tank, das es fraglich war, den Hafen von Artlenburg zu erreichen. Aber es sollte glücken, wenn auch wieder auf dem allerletzten Tropfen im Tank.

Nach dem Ausslippen tropfte pottschwarzes verbranntes Öl aus dem Auspuff und hatte Mühe, die Fahrbahn an der Slippe sauber zu halten. Leider hatte ich bis zum Urlaub keine Möglichkeit mehr, der Sache auf den Grund zu gehen und schlug ich mich auch im Urlaub mit dem Problem herum, wobei ich durch Herumprobieren mit dem Gas noch halbwegs vernünftig Fahrt machen konnte.Aber am vorletzten Tag machte der Motor dann endgültig schlapp: ich konnte keine Gänge mehr schalten! Mittels Paddel manövrierte ich den Erik dann zur Slippe und holte ihn aus dem Wasser. Wieder zu Hause, brachte ich den Motor dann in eine Mercury-Werkstatt.Diagnose: schwerer Getriebeschaden, defekter Vergaser, und durchgebrannte Diode. Das war dann eine 4-stellige Rechnung, die ich zähneknirschend bezahlte. Da der Rest des Motors aber top in Schuss war, war es die Sache wert.

Im folgenden Jahr war uns leider nur eine kurze Fahrt auf der Weser vergönnt. Eine schwere Erkrankung zwang mich zum Pausieren bis zum Ende der Saison und zur Absage unseres so ersehnten Darss-Urlaubs.Nun in 2015 war das Wetter zunächst mal nicht ganz so nach Boot fahren und eine Erkrankung meiner Partnerin kam außerdem hinzu. Endlich, am ersten Juniwochenende sollte es dann wieder aufs Wasser gehen: nach Artlenburg an die Elbe!Und weil die “schwere Gewitterfront” aus dem Wetterbericht nicht kam, fuhren wir am Vormittag mit unserem Boot im Schlepp dahin. Am späten Vormittag angekommen, konnten wir sofort einslippen und fuhren stromauf mit dem Wind im Rücken bis nach Boizenburg. Möglich, das diese Fahrtrichtung die Ursache dafür war, das ich den Wind nicht so recht einschätzte. Denn der blies stramm und zeigte uns auf dem Rückweg, was er aus der Elbe selbst im tidefreien Unterlauf anstellen kann.Westwind mit 25 - 30 km/h macht ordentlich Wellengang auf diesem Abschnitt mit allem was so ein 1-2m-Wellengang mit sich bringt: Kreuzseen, Kabbelwasser und ab und zu auch mal richtige kleine “Kaventsmänner”!

Im Hafen von Boitzenburg

Kaum hatten wir den Hafen von Boizenburg wieder verlassen machte sich dieser Wellengang doch schon recht unangenehm bemerkbar. Auf dem langen geraden Abschnitt nach Westen Richtung Lauenburg war das schon ausgesprochen eklig und wir konnten nicht so recht Tempo machen. Auch die schmerzenden Bandscheiben meiner besseren Hälfte wollten keinen “Teufelsritt”; also Augen auf und durch!

Der heftigste Teil stand uns allerdings noch bevor: hinter der Lauenburger Brücke nach Artlenburg wurden die Wellen richtig steil und hoch und so mancher “Brecher” schlug uns sogar über die obere Windschutzscheibe. Unser Bootchen steckte das aber trotz seiner nur 4,7 m klaglos weg. Allerdings dauerte die Strecke wohl noch am längsten. Ich versuchte, weit außerhalb der Fahrrinne in ruhigeres Wasser zu kommen. Kurz vor Artlenburg zeigten uns per Handzeichen 2 Leute vom Ufer aus eine lange unter Wasser liegende Buhne, der ich daher ausweichen musste.

Auch das Eagle sagte mir immer flacher werdendes Wasser an. Letztendlich hielt ich uns weiter außerhalb der Fahrrinne und wir erreichten schließlich ziemlich nass und durchgepustet den Artlenburger Hafen.

Auch das Ausslippen verlief schnell und problemlos und auf dem Weg zurück nach Hause war ich mir klar darüber, das ich künftig den Wind bei Elbetouren mehr bachten muss.

Trotzdem gab es keinerlei mechanische Probleme; -weder am Boot selbst noch hat der Motor zu irgendeinem Zeitpunkt unruhigen Lauf gezeigt. Er war dem Starkwasser mit seinen Schlägen und Erschütterungen gewachsen.